
Gestern fand wieder das kleine Gartenkonzert meiner Klasse statt.
Es ist kein großes Konzert mit Bühne, Scheinwerfern und Programmheft. Es ist ein kleiner, intimer Rahmen. Draußen im Garten. Mit Ukulelen, Noten, ein bisschen Lampenfieber und Menschen, die liebevoll zuhören.
Eingeladen sind Familie und Freunde. Also genau jene Menschen, die im Alltag oft mittragen, erinnern, motivieren, fahren, warten, zuhören und manchmal auch geduldig aushalten, wenn ein Stück zum fünften Mal von vorne beginnt.
Gerade deshalb ist diese Atmosphäre so besonders. Sie ist herzlich, wohlwollend und echt.
Bei diesen kleinen Auftritten geht es nicht darum, perfekt zu sein.
Es geht nicht um eine Show. Nicht darum, jemanden zu beeindrucken. Und schon gar nicht darum, dass alles glatt und fehlerfrei funktioniert.
Es geht darum, aus dem Gelernten ein Ganzes zu machen.
Ein Stück, das im Unterricht entstanden ist, bekommt plötzlich einen Anfang, einen Verlauf und ein Ende. Die Noten werden nicht mehr nur gelesen. Sie werden umgesetzt. Ein Rhythmus wird getragen. Eine Melodie bekommt Ausdruck. Ein Akkordwechsel wird nicht nur geübt, sondern musikalisch eingebettet.
Und dann kommt dieser eine besondere Moment: Man sitzt da, atmet ein, beginnt zu spielen und merkt, dass das eigene Lernen hörbar geworden ist.
Aus pädagogischer Sicht passiert bei so einem kleinen Konzert sehr viel.
Ein Auftrittstermin verändert das Üben. Plötzlich gibt es ein Ziel. Nicht im Sinn von Druck, sondern im Sinn von Richtung. Das Stück möchte fertig werden. Oder zumindest so weit wachsen, dass es vor anderen Menschen gespielt werden kann.
Viele Schüler:innen üben dadurch anders. Aufmerksamer. Wiederholter. Manchmal auch mutiger. Ein Stück wird vertieft, weil es nicht nur im Unterricht funktioniert, sondern auch alleine getragen werden möchte.
Oft entsteht dabei auch der Wunsch, etwas ganz oder fast auswendig zu können. Nicht, weil es jemand verlangt, sondern weil es Sicherheit gibt. Weil man beim Spielen freier wird, wenn nicht jeder Ton fest am Notenblatt hängt.
Und natürlich ist da auch Lampenfieber.
Aber gerade das gehört dazu. Denn Lampenfieber bedeutet oft: Das hier ist mir wichtig.
Wenn junge Musiker:innen nach ihrem Stück Applaus bekommen, passiert etwas sehr Wertvolles.
Der Applaus sagt nicht nur: Das war schön.
Er sagt auch: Ich habe dir zugehört. Ich habe gesehen, dass du dich getraut hast. Ich nehme ernst, was du gelernt hast. Ich glaub an dich.
Für Kinder und Jugendliche ist das ein starkes Zeichen. Gerade, weil es von Menschen kommt, die ihnen nahestehen. Von Eltern, Geschwistern, Großeltern, Freund:innen.
Dieser Applaus holt die kleinen Stars ab. Er macht sichtbar, dass Üben nicht nur eine private Mühe ist, sondern zu einem geteilten Erfolg werden kann.
Deshalb gehört mein Dank bei jedem Gartenkonzert auch den Familien.
Denn Musiklernen passiert nicht nur in der Unterrichtsstunde. Es passiert auch daheim. Zwischen Alltag, Schule, Terminen und manchmal wenig Zeit.
Es braucht Menschen, die erinnern, ohne zu drücken. Die zuhören, auch wenn noch nicht alles rund klingt. Die ermutigen, wenn ein Stück schwer ist. Die sich mitfreuen, wenn plötzlich etwas gelingt.
Diese Unterstützung ist nicht selbstverständlich. Aber sie macht viel möglich.
Vielleicht wirken solche Gartenkonzerte von außen klein.
Ein paar Stühle. Ein paar Instrumente. Ein bisschen Aufregung. Ein freundliches Publikum.
Aber für die Schüler:innen können sie groß sein.
Weil sie erleben: Ich kann etwas vorbereiten. Ich kann mich zeigen. Ich kann mit meiner Musik einen Moment gestalten. Ich darf nervös sein und trotzdem spielen. Ich darf stolz sein.
Und manchmal ist genau das der wichtigste Teil des Lernens.
Nicht nur ein neues Stück zu können. Sondern zu spüren: Ich wachse daran.
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