
Gestern war Tag zwei unseres Ukulelebauworkshops.
Ein Tag für die Hälse unserer zukünftigen Ukulelen, für die Kopfplatten und die Griffbretter. Ein Tag, an dem ich wieder einmal gespürt habe, wie unmittelbar Handwerk sein kann. Wie sehr es einen in den Augenblick holt.
Im Raum riecht es nach Zedernholz.
Dieser Duft ist schwer zu beschreiben. Er erinnert mich nicht an Weihnachten und auch nicht an einen Spaziergang durch den Wald. Dafür ist er zu eigen. Zu präsent. Er liegt irgendwo zwischen herb und süß, warm und würzig. Ein feiner Geruch, der aus der Ferne stammt und nun hier im Werkraum zwischen Werkzeugen, Holzstaub und konzentrierten Menschen seinen Platz gefunden hat.
Ich glaube, ich werde ihn nicht mehr vergessen.
Vielleicht werde ich irgendwann meine fertige Ukulele in der Hand halten, den Hals umfassen und plötzlich wieder genau hier sein: in diesem Raum, an diesem Werktisch, mit dem Duft von Zedernholz in der Nase.
Handwerk ist für mich immer wieder phänomenal.
Vor mir liegt ein raues, grob ausgeschnittenes Stück Holz. Seine Oberfläche erinnert eher an Bauholz als an ein Musikinstrument. Die Kanten sind kantig, die Form ist nur zu erahnen. Noch fühlt sich nichts daran weich oder selbstverständlich an.
Und trotzdem soll daraus ein Ukulelenhals werden.
Ich schaue auf das Brett und versuche mir vorzustellen, was alles wegmuss, damit am Ende genau das übrig bleibt, was ich brauche. Nicht mehr und nicht weniger.
Mit dem richtigen Werkzeug trage ich Schicht für Schicht ab. Das Holz gibt nicht alles auf einmal preis. Es braucht Geduld. Jeder Zug verändert die Oberfläche ein wenig. Ich höre das Schaben des Werkzeugs, spüre den Widerstand im Holz und streiche zwischendurch immer wieder mit den Fingern darüber.
Ist da noch eine Kante?
Passt die Rundung?
Fühlt sich die Linie schon richtig an?
Langsam wird das Raue glatter. Aus einer groben Form entsteht etwas, das sich plötzlich richtig anfühlt. Eine saubere Linie bleibt übrig – und auf einmal ist es stimmig.
Dieser Moment berührt mich jedes Mal: Wenn das Auge noch prüft, die Hand aber schon weiß, dass die Form passt.
Ganz anders war die Arbeit am Griffbrett.
Das Holz war so hart, dass ein bereits benutztes Schleifpapier kaum noch etwas ausrichten konnte. Erst ein frisches Blatt biss sich wieder in die Oberfläche. Damit konnte ich die sanfte Kurve zwischen den Längsseiten einschleifen.
Das Schleifen klingt gleichmäßig und trocken. Vor und zurück. Immer wieder. Die Bewegung wird irgendwann beinahe ruhig und meditativ, während die Arme längst merken, dass dieses Holz nichts freiwillig hergibt.
Der Staub ist so fein, dass er überall hinkommt. Er legt sich auf die Arbeitsfläche, auf die Hände und auf die Kleidung. Sogar auf meinem Nasenrücken hat er sich abgesetzt. In der Luft liegt ein trockener Hauch, und ich habe das Gefühl, das Holz nicht nur zu sehen und zu riechen, sondern beinahe auch auf der Zunge zu spüren.
Zwischendurch fahre ich vorsichtig mit den Fingerspitzen über das Griffbrett. Die Oberfläche wird glatter, die Kurve gleichmäßiger. Noch ist es kein fertiger Hals. Noch sind da keine Saiten, kein Klang und kein Lied. Und doch wächst bereits eine Vorstellung davon, wie es sich später anfühlen könnte, darauf zu spielen.
Dann diese Bundmarkierungen.
Kleine Perlmutt-Dots, die in das Griffbrett eingeklebt werden. Winzige Details – und plötzlich eine Frage des ganz persönlichen Geschmacks.
Wo sollen sie hin?
Beginne ich erst am fünften Bund? Oder möchte ich bereits am dritten Bund eine Markierung?
Es scheint zunächst nur eine kleine Entscheidung zu sein. Ein paar helle Punkte auf dunklem Holz. Und doch fühlt sie sich bedeutend an.
Ich darf das jetzt entscheiden.
Nicht irgendeine Fabrik, nicht eine fremde Person und nicht eine Vorgabe aus einem Katalog. Ich entscheide, wie meine Ukulele später aussehen wird. Wo mein Blick beim Spielen Orientierung findet. Welches kleine Detail zu meinem Instrument gehört.
Ein erhebendes Gefühl.
Am Ende des Tages nehme ich noch zwei bereits fertig gebaute Ukulelen in die Hand. Ich möchte ausprobieren, wie sich Griffbretter mit feineren und stärkeren Bundstäbchen spielen lassen.
Für einen Moment verändert sich die Atmosphäre. Nach dem Schleifen, Formen und Prüfen erklingen endlich Töne.
Ich setze die Finger auf die Saiten und höre genau hin. Wie viel Druck brauche ich? Wie sicher finde ich die Position? Wie sauber antwortet der Ton?
Bei den stärkeren Bundstäbchen ist die Entscheidung schnell gefallen. Meine Finger finden ihren Platz. Die Töne kommen sofort klar und sauber. Das Greifgefühl ist deutlich und angenehm, fast so, als würde das Instrument meinen Fingern ein kleines Stück entgegenkommen.
Ich entscheide mich für die stärkeren.
Auch das ist nun ein Teil meiner Ukulele.
Am Ende dieses zweiten Tages ist sie noch längst nicht fertig. Es gibt noch keine Saiten, keinen vollständigen Korpus und keinen Klang, der wirklich zu ihr gehört.
Und trotzdem ist sie schon ein wenig meine.
In den Linien, die ich aus dem Holz herausgearbeitet habe. In der Rundung des Griffbretts. In den kleinen Perlmuttpunkten und in der Entscheidung für die stärkeren Bundstäbchen.
Vielleicht beginnt ein Instrument nicht erst dann zu leben, wenn die erste Saite klingt.
Vielleicht beginnt es schon viel früher.
Mit einem rauen Stück Holz, feinem Staub auf der Nase und der leisen Gewissheit: Genau so soll es werden.
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