„Wie geht es dir eigentlich damit, dass du die Ukulele nachher wieder hergeben wirst?“

Diese Frage wurde mir während des Ukulelenbauworkshops gestellt. Und sie ist berechtigt. Schließlich arbeite ich fünf ganze Arbeitstage an diesem Instrument. Ich nehme jedes einzelne Teil in die Hand, schleife, prüfe, klopfe, leime und bessere nach. Ich sehe, wie aus vielen einzelnen Holzteilen langsam eine Ukulele wird.

Aber ich baue sie nicht für mich.

Nach dem Workshop bekommt sie mein Sponsor. Jemand, der sie jetzt schon liebt, obwohl sie noch nicht einmal fertig ist.

Wie fühlt sich das an?

Eine Ukulele ist eine Ukulele

Mein erster Gedanke war erstaunlich klar: Eine Ukulele ist eine Ukulele.

Ob später ich auf ihr spiele oder jemand anderes, macht für mich keinen entscheidenden Unterschied. Sie wird klingen. Ihre Saiten werden schwingen. Jemand wird sie in die Hand nehmen, Akkorde auf ihr greifen und mit ihr Musik machen.

Und ich werde sie hören können.

Genau das treibt mich an. Ich möchte mein Bestes geben. Nicht, weil ich das Instrument später besitzen werde, sondern weil es einmal gespielt werden soll. Weil jemand Freude daran haben wird. Und weil jeder Arbeitsschritt, den ich jetzt sorgfältig ausführe, später einen Unterschied machen kann.

Vielleicht ist das sogar eine besonders schöne Form des Bauens: etwas mit großer Aufmerksamkeit entstehen zu lassen, ohne es für sich behalten zu müssen.

Langsam zeigt sich ein Charakter

Vielleicht ist es ein kleines bisschen wie bei Haustieren. Natürlich ist eine Ukulele kein Lebewesen. Und doch kann man irgendwann nicht anders, als an ihr etwas Eigenes zu entdecken.

So etwas wie Charakter.

Dieser Charakter zeigt sich nicht nur an den Teilen, die besonders gut gelungen sind. Da ist zum Beispiel die Stegplatte mit ihrem besonderen Design. Sie ist schön geworden. Wenn ich sie betrachte, freue ich mich über das Ergebnis und auch ein wenig über mich selbst.

Aber die Ukulele erzählt nicht nur von den perfekten Momenten.

Da ist auch dieses eine Bundstäbchen, das sich nicht zu hundert Prozent in seine vorgesehene Position einklopfen ließ. Und da ist das Griffbrett, das ich zuerst wunderbar gleichmäßig und gewölbt geschliffen hatte. Später verletzte ich es an manchen Stellen wieder, als ich die Enden der metallischen Bundstäbchen bearbeitete.

Solche Spuren sehe ich natürlich.

Ich weiß genau, wo sie sind. Ich erinnere mich an den Moment, in dem sie entstanden sind. Wahrscheinlich werden andere Menschen manche davon niemals bemerken. Für mich gehören sie trotzdem zur Geschichte dieses Instruments.

Nicht jede kleine Unvollkommenheit macht eine Ukulele schlechter. Manches macht sie einfach zu genau dieser einen Ukulele.

Wie wird es sich anfühlen, auf ihr zu spielen?

Bei fast jedem Arbeitsschritt denke ich bereits an das spätere Spielen.

Wie wird sich der Hals in der Hand anfühlen? Werden die Finger leicht über das Griffbrett gleiten? Wie werden sich die Saiten greifen lassen? Wird sich irgendwo eine Unebenheit bemerkbar machen? Und wie wird sie klingen?

Während ich schleife, klopfe oder prüfe, denke ich nicht nur an Holz und Metall. In Gedanken bin ich bereits bei dem Menschen, der dieses Instrument später in den Händen halten wird.

Das verändert die Arbeit.

Ein Bundstäbchen ist dann nicht nur ein kleines Stück Metall. Es ist die Stelle, an der später ein Finger eine Saite hinunterdrücken wird. Das Griffbrett ist nicht nur eine Fläche, die möglichst eben und glatt werden soll. Es wird einmal der Ort sein, an dem Melodien und Akkorde entstehen.

Vielleicht entsteht meine Verbindung zu dieser Ukulele genau dort: in der Vorstellung ihres zukünftigen Klangs.

Manchmal sind meine Kräfte kleiner als meine Pläne

Für mich ist es nicht immer möglich, vorauszusehen, wie viel Arbeit in einer Idee steckt.

Man stellt sich etwas vor und denkt: Das mache ich. Das wird schon gehen. Und dann steht man mitten in der Arbeit und merkt, dass ein einzelner Schritt viel länger dauert als gedacht. Dass die Konzentration nachlässt. Dass die Hände müde werden. Oder dass die eigenen Kräfte für einen Moment einfach nicht mehr ausreichen.

Dann kann Verzweiflung aufkommen.

Nicht unbedingt die große, dramatische Verzweiflung. Eher dieses kurze innere Gefühl: Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so viel ist. Wie soll ich das alles schaffen?

Doch diese Momente dauern meistens nicht lange.

Manchmal dauern sie gerade so lange, wie es braucht, sich einen Apfel zu schnappen und eine Pause zu machen.

Kurz hinaus aus der Werkstatt. Hinsetzen. Essen. Durchatmen. Nicht weiter über das Problem nachdenken. Den Händen und dem Kopf erlauben, für ein paar Minuten nichts leisten zu müssen.

Und dann geht es wieder.

Schliff für Schliff

Nach solchen Pausen geschieht manchmal etwas Besonderes.

Ich finde in einen Zustand, in dem die Zeit nicht mehr so wichtig ist. Ich denke nicht mehr darüber nach, wie viel noch vor mir liegt oder wie lange ich bereits arbeite. Ich mache einfach den nächsten Schritt.

Und danach den nächsten.

Schliff für Schliff.

Ich prüfe eine Stelle, bearbeite sie weiter und prüfe erneut. Die Bewegung wiederholt sich. Meine Aufmerksamkeit wird ruhig. Die Werkstatt, das Material und meine Hände scheinen für eine Weile zusammenzuarbeiten.

Es ist dieser Flow, in dem nicht mehr das fertige Ergebnis im Mittelpunkt steht. Nur noch das, was gerade zu tun ist.

Vielleicht sind es genau diese Momente, die eine tiefe Verbindung entstehen lassen. Nicht der Besitz verbindet mich mit dem Instrument, sondern die Aufmerksamkeit, die ich ihm gegeben habe. Die vielen Entscheidungen. Das Nachbessern. Das kurze Zweifeln. Das erneute Beginnen.

Und dann kommt irgendwann dieser kaum fassbare Augenblick.

Ich lege das Werkzeug zur Seite, betrachte meine Arbeit und denke:

Ich glaube, ich bin fertig.

Hergeben bedeutet nicht, sie zu verlieren

Wird es mir schwerfallen, die Ukulele herzugeben?

Vielleicht werde ich für einen Moment schlucken. Schließlich kenne ich jede Stelle an ihr. Ich weiß, wo etwas sofort gelungen ist und wo ich länger kämpfen musste. Ich kenne ihre kleinen Eigenheiten bereits, bevor sie ihren ersten richtigen Ton gespielt hat.

Aber ich glaube nicht, dass ich sie verliere.

Sie geht zu einem Menschen, der sich auf sie freut. Sie wird gespielt werden. Sie wird einen Platz bekommen. Und sie wird klingen.

Das ist es, worauf die ganze Arbeit hinausläuft.

Ich muss diese Ukulele nicht besitzen, um mit ihr verbunden zu sein. Ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte liegt in jedem Schliff, in jedem Bundstäbchen und in jeder kleinen Spur, die während dieser fünf Tage entstanden ist.

Und vielleicht werde ich später, wenn ich sie höre, nicht nur ihren Klang erkennen.

Vielleicht werde ich auch die Zeit darin hören, die Geduld, die kurzen Zweifel, die Apfelpausen und all die stillen Momente, in denen ich einfach weitergemacht habe.

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